Prellbock Weselsky

Bahnstreik Nr. 9

Seit der vergangenen Nacht wird auch der Personenverkehr erneut bestreikt, unbefristet und damit mitten hinein in den Pfingstreiseverkehr. In der Bevölkerung wächst die Wut auf Gewerkschaftsführer Claus Weselsky. An ihm haftet das schlechte Image eines Sturkopfes, der unfähig zum Kompromiss ist und seine Verbissenheit auf Kosten der Allgemeinheit kultiviert -Prellbock und Sündenbock zugleich.


Foto: ©Uschi Dreiucker ©www.pixelio.de

Wissen die Menschen, die sich über den Streik entrüsten in der Mehrzahl überhaupt um was es in der Sache geht? Um höhere Löhne geht es nicht, hier wären spätestens in einer Schlichtung Lösungen zu finden. Geht es um grundsätzlichere Dinge? Dass z.B. auch ehemalige Staatsbetriebe den Wettlauf um immer niedrigere Löhne für die Belegschaft und immer höhere Gewinnrenditen für die Unternehmen selbst (plus höhere Gewinne für die Aktionäre) mitmachen, für die es aber selbstverständlich ist, bei Arbeitskämpfen sich den noch wenigen Beamten im Betrieb als Streikbrecher zu bedienen - so das verfassungswidrige Vorgehen der Post letzte Woche. Aber auch darum geht es in der aktuellen Auseinandersetzung zwischen Bahn und GDL nicht.
 

Letztendlich geht es um die Existenz der Gewerkschaft GDL. Bei der Alternative "Friss oder stirb" ist ein Kompromiss zumindest denkbar. Bei der Alternative "Tod oder Lebendig" ist dies nicht der Fall. Am Freitag verabschiedet die Politik ein neues Gesetz zur Tarifeinheit, was die Macht der Gewerkschaften insgesamt schmälert und das Ende für kleinere Gewerkschaften wie die GDL bedeuten könnte. Skandalös ist das Verhalten der Bahn, den Konflikt aus zu sitzen, im Wissen, die Politik erledigt die Schmutzarbeit. Skandalös und dreist ist das Verhalten der Bundesregierung, die weiß, dass das neue Gesetz zur Tarifeinheit vor dem Verfassungsgericht keinen Bestand haben wird. Doch bis das vor Gericht entschieden ist vergehen Jahre, der Patient ist inzwischen verstorben, die Operation hingegen gelungen. Doch die Öffentlichkeit braucht ein Gesicht, welches die Wut auf sich zieht. Und dieses Gesicht gehört Claus Weselsky, übrigens CDU Mitglied.

Foto: ©Erich Westendarp ©www.pixelio.de
 

Jakob Augstein hat die Tage in seiner Kolumne (Spiegel Online) darauf hingewiesen, dass wir Claus Weselsky stattdessen dankbar sein müssten, dass er seinen Kopf hinhält für Interessen, die weit über das Anliegen seiner Gewerkschaft hinausreichen, für Dinge kämpft von der letztendlich der Großteil der Bürger profitieren würde.
 

P.S.: Der dies schreibt, ist ist über Pfingsten auf die Bahn als Verkehrsmittel angewiesen. Mein Ärger wird sich gegen das Unternehmen Bahn richten, nicht gegen deren Arbeitnehmervertretung.