Lohnabhängige als Kapitalisten

Der Porzellan-Unternehmer Philip Rosenthal

 

"Die Wirtschaft ist ein Dampfer, der in Fahrt bleiben muss und bei dem es darauf ankommt, dass die dritte Klasse und das Zwischendeck auf die Lebensmöglichkeiten der ersten Klasse angehoben werden, ohne dass die Maschine heiß läuft."


Foto: ©Hans-Christian Hein www.pixelio.de
 

Dieser Ausspruch stammt von dem ehemaligen Porzellan-Unternehmer Philip Rosenthal. (Das Bild zeigt übrigens einen Ausschnitt des berühmten Fürstenzuges in Dresden, ein 102 Meter langes Wandgemälde bestehend aus ca. 23.000 Meißner Porzellanfliesen.)
 

Der bereits 2001 verstorbene Philip Rosenthahl wollte die Ungleichheit zwischen Vermögenden und Lohnabhängigen verringern, indem er seine Position als Unternehmer in die Waagschale warf. Rosenthal hatte folgendes im Sinn: Er zahlte den Leuten in seiner eigenen Porzellanmanufaktur einen zusätzlichen Lohn, den diese als Eigenkapital  im Betrieb belassen sollten. Seine Idee aus Arbeitnehmern Kapitalisten zu machen, ging weit über heutige Modelle betrieblicher Sparförderung und Mitarbeiterbeteiligung hinaus. Als Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium unter der Regierung Willy Brandt versuchte er sein Modell bundesweit einzuführen, scheiterte jedoch grandios am Widerstand der Arbeitnehmerverbände und dem der Gewerkschaften. Letztere bemängelten die aus ihrer Sicht unzureichende Arbeitnehmerkontrolle der Vermögensbildung, wenn diese lediglich als betriebliches Eigenkapital ausgewiesen würde.
 

Unternehmer mit sozialem Gewissen sind rar geworden. Ein Grund mehr an die wenigen zu erinnern, die nicht nur an soziale Gerechtigkeit glauben, sondern ihr Handeln aktiv an den eigenen Maximen ausrichten.