Give peace a chance

Editorial Winterausgabe 2015 SPERRE

Vor Ihnen liegt die letzte Ausgabe des Jahres 2015. Auch wir thematisieren in diesem Heft das in der Öffentlichkeit meistbeachtete Thema der letzten Monate. In einem Beitrag schaut sich  unser Gastautor Claudius Voigt von der Flüchtlingshilfe Münster (GGUA) die deutsche Asylgesetzgebung genauer an. Er erläutert die Pläne auf Seiten der Politik, wie Gesetze ein weiteres Mal verschärft werden.

Foto: ©Dieter Schütz ©www.pixelio.de 

Adventszeit ist weihnachtliche Vorfreude. Die biblische Geburtserzählung Jesu Christi ist auch eine der Flucht und Vertreibung - die „heilige Familie“ entflieht dem Geburtsort vor den Schergen der Staatsgewalt. In Deutschland gibt es seit Wochen täglich Brandanschläge auf geplante, auch existierende Flüchtlingsheime. Es ist unfassbar, dass deutsche Mitbürger sich in der Rolle des Kinder- und Gottesmörders Herodes Antipas gefallen und die Gesinnung bekämpfen, die sie zu vertreten meinen, die christlich abendländische Kultur. Es ist der Selbsthass, der diese Täter antreibt.
 
Jahresabschluss heißt auch Zeit der Resümees. Zahlreiche Arbeitskämpfe in den unterschiedlichsten Branchen haben das vergangene Jahr begleitet. Flugbegleiter-, Kika-, Lokführerstreiks seien beispielhaft in Erinnerung gerufen. Langfristige Prognosen sprechen von dem Wegfall jeden zweiten Arbeitsplatzes vor allem durch technische Innovation. Das selbstfahrende Google-Auto (Auto-Automobil) und die Roboter-Nanny aus japanischer Produktion werden die Arbeitswelt von morgen prägen. Doch da uns diese Übergangszeit so fern erscheint und fremd ist, schaffen wir allemal lieber prekäre Arbeitsverhältnisse statt ernsthaft die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen zu beginnen.
 
Die Arbeitswelt wird auch in Zukunft unser Topthema bleiben. Schließen möchte ich aber hier und heute mit einem Merkmal der Hoffnung. Es steht paradoxerweise im Zusammenhang mit dem Pariser Attentat vom 13. November. Es zeigt, dass selbst Krieg, Hass und Tod, Dinge, Worte und Taten hervorrufen können, die das Potential besitzen, die Spirale von Gewalttätigkeiten zu durchbrechen. Hélène Muyal, 35 Jahre, starb im Konzerthaus Bataclan. Sie hat einen 18 Monate alten Sohn und ihren Mann Antoine Leiris hinterlassen. Dieser wandte sich in einem Facebook-Eintrag unmittelbar nach der Tat an die Islamisten und schrieb:
 
Am Freitag habt ihr das Leben eines wunderbaren Wesens gestohlen, die Liebe meines Lebens, Mutter meines Sohnes, aber ich werde euch meinen Hass nicht geben. Ich kenne euch nicht und will euch nicht kennen, die ihr tote Seelen seid. Wenn der Gott, für den ihr blindwütig tötet, uns nach seinem Ebenbild erschaffen hat, dann hat jede Kugel im Körper meiner Frau auch sein Herz zerrissen. Das Geschenk, euch zu hassen, werde ich euch dennoch nicht machen. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger skeptisch betrachte. Vergesst es. Aber im Tod wird mich meine Frau begleiten in jenes Paradies der freien Seelen, zu dem ihr niemals Zugang finden werdet.
 
Ein frohes Weihnachtsfest und erfolgreiches Jahr 2016 wünscht Ihnen...