Weblog χρ τ +


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Eine Art Weiterführung der Einsteinzitate (χρ τ + _ 42):

Im Jahr 1905 veröffentlichte Albert Einstein drei Artikel in der angesehenen Fachzeitschrift „Annalen der Physik“, u.a. den Aufsatz, der bald als „Spezielle Relativitätstheorie“ bekannt wurde. In ihr wird erklärt, dass die Zeit nicht für jeden gleich schnell vergeht, sondern abhängig ist von individuell erlebten hohen Geschwindigkeiten über große Entfernungen hinweg.

Allerdings stand sie im Widerspruch zur Schwerkrafttheorie, der Standardtheorie von Isaac Newton. Es vergingen zehn Jahre, bis Einstein eine neue Theorie erarbeitete. Er nannte sie „Allgemeine Relativitätstheorie“ und Einstein revolutionierte damit die Naturwissenschaft.

Der zugrundeliegende Ideengang ist schlicht, einfach, schön und vor allem phantasievoll:

Grundwissen: Laut Newton gibt es eine Kraft, die alle Körper zueinander hinzieht, selbst weit voneinander entfernte Dinge sind davon betroffen. Newton nannte diese Kraft Schwerkraft bzw. Gravitation. Wie die Kraft das bewerkstellige, davon könne es kein Wissen geben und Newton spekulierte auch nicht darüber. Zudem würden sich die Objekte in einem starren Raum bewegen, in der sie ihre Bahn zögen, bis die Schwerkraft, bei Begegnung anderer Körper, diese ablenkt.

Zusatzwissen: Die britischen Physiker Faraday und Maxwell hatten inzwischen das elektromagnetische Feld entdeckt, welches zum Beispiel Radiowellen in Bewegung setzen kann. Einstein war fasziniert, nicht zuletzt, hatte sein Vater doch Elektrizitätswerke gebaut.

Ver-rückt: Mal angenommen, auch die Schwerkraft sei von einem Feld beeinflusst. Dass jenes Feld den Raum fülle und der Raum dabei alles andere als starr bliebe, vielmehr eher dynamisch wie die Oberfläche eines Sees sich kräusle: egal: Phantasie ist grenzenlos und man kann ja mal versuchsweise ausprobieren, welche mathematischen Gleichungen das postulierte Gravitationsfeld beschreiben könnte.

Genial: Die mathematischen Gleichungen lassen sich „nur“ dann finden, wenn das Gravitationsfeld sich nicht im Raum bewegt, sondern wenn das Gravitationsfeld der Raum selbst ist! Der geheimnisvolle Raum Newtons, die Leerstelle in seiner Theorie, und das Gravitationsfeld Einsteins als Träger der Schwerkraft sind nicht nur ein und dasselbe, der Raum ist so nebenbei zusätzlich „mit Leben“, sprich physikalischen Eigenschaften gefüllt – die Physik mag nicht die Leere, so wie der Mensch nicht das Nichts. Die Gleichungen passten und experimentelle Physik bestätigte im Laufe der Zeit nach und nach jedes weitere Folgedetail aus Einsteins Ursprungsvermutung.

Fazit: Albert Einstein, genial! Der Querdenker und Antipode der heutigen Begriffsokkupanten, der trivial-banalen Schlichtdenker.

χρ τ + _ 44

Heute ist Vollmond. Und in diesem Monat wird noch ein Blue Moon erwartet. Mondbeobachtungen haben heute kaum noch einen praktischen Mehrwert. In der Vergangenheit war das anders, als das Mondlicht noch als begehrte nächtliche Lichtquelle benutzt wurde - künstliche Beleuchtung gab es nämlich damals nicht. Um die Vollmondzeit herum fanden früher nächtliche Versammlungen statt, man beging Feste, vor allem in südlichen, klimatisch heißen Ländern, wo der Tageshitze ausgewichen werden konnte. Laut der antiken Geschichtsschreiber beklagten sich die römischen Kaiser um die Neumondzeit des Öfteren, dass ihre Städte in pechschwarzer, bedrohlicher Finsternis versinken. Da der erste römische Kaiser Augustus heißt und Monats-Namensgeber wurde, hier ein paar Aspekte zum Thema Mond.

Der eingangs erwähnte Blue Moon ist eine in Amerika gebräuchliche Bezeichnung für einen weiteren Vollmond im Monat. Ein Ereignis, welches derweil nur alle zwei bis drei Jahre stattfindet. Am 31. ist es in diesem Monat wieder so weit. Angeblich geht die Bezeichnung auf einen blaufarbigen Eintrag in einem kalendarischen Bestimmungsbuch zurück. Aufgrund der seltenen Gegebenheit heißt es auch: Darling, I will marry you once in a blue moon, sinngemäß übersetzt Liebling, auf die Hochzeit kannst du lange warten!

Die Astrologie, Sterndeutung, setzt voraus, dass die Sterne den entscheidenden Einfluss auf die Psyche und Bestimmung der Menschen haben. So leitet sich das Wort Laune auch vom lateinischen Wort luna (Mond) ab, im englischen bedeutet lunatic schlicht verrückt oder auch mondsüchtig.

Der Mond diente früher auch als natürlicher Zeitmesser. War dieser nach Neumond zu sehen und vergrößerte sich seine Sichtbarkeit, riefen Gelehrte, Priester und Könige in der Antike einen neuen Monat aus. Ausrufen heißt im Lateinischen calare. Daher kommt die Bezeichnung Kalender – der Mond (Monat), ein natürlicher Kalender. Ungeachtet dessen, dass wegen der größeren Genauigkeit die späteren und weiterhin gültigen Kalender sich nicht mehr am Verlauf des Mondes, sondern an der der Sonne messen. Ein Jahr bezeichnet wie bekannt einen Umlauf der Erde um die Sonne. Zwar noch immer nicht mit hundertprozentiger Genauigkeit zur Definition gebracht, Stichwort Schaltjahr, aber wie es doch so treffend heißt, der liebe Gott hat die Zeit erfunden, der Teufel den Kalender.

Vor fünfzig Jahren erschien das Album The Dark Side oft the Moon der Musikgruppe Pink Floyd. Ein irreführender Titel! Von der Erde aus betrachtet gibt es, ja, eine von der Erde aus betrachtet niemals sichtbare Seite des Mondes, die Rückseite halt, doch dunkler als die für uns sichtbare Seite ist sie nicht. Da der Mondumlauf um die Erde rund 27 Tage dauert, die Umdrehung des Mondes um seine Rotationsachse jedoch genauso lange, kehrt der Mond uns stets die gleiche Seite zu, die wir dann richtigerweise als Vorderseite bezeichnen. Nur, wie auf dieser erdzugewandten Seite herrscht auch auf jener Rückseitigen die jeweils gleiche lichte Zeit, nämlich abwechselnd zwei Wochen lang heller Tag und zwei Wochen lang dunkle Nacht. Die letzte Liedzeile des Pink Floyd Albums lautet denn auch: There ist no Dark Side of the Moon realy.

By the way: Diese letzte Wortsequenz stellt einen Mann namens Gerry O’Driscoll ins rückwärtige Licht, den ehemaligen Türsteher der Abbey Road Studios (London), in denen das Album aufgenommen wurde und der womöglich schon damals ein geistiger Patensohn einer bis in die Gegenwart mit Sonne, Mond und Sternen gereiften Dame gewesen war; diese bis heute in den Wäldern Brandenburgs unweit von Berlin (Germany) lebend. Mr.O‘Driscoll antwortete nämlich damals auf die Frage, was die dunkle Seite des Mondes sei, in einem episch theatralischen, einem Bertolt Brecht nachempfundenen Duktus: Es gibt eigentlich keine dunkle Seite des Mondes, tatsächlich sei alles dunkel, das Einzige, was diesen aussehen lasse, sei die Sonne.

Anyway! Da verborgende, nicht einsehbare Gefühle die sogenannte dunkle Seite einer Menschenseele ausmachen können, blaue Töne auf sinnliche Art und Weise Melancholie und Schwermut zum Ausdruck bringen, wird mir gerade das Schreiben vollmondrund. Folgerichtig geht nun dieses Kapitel nach exakt 27minütigem Niederschriftenumlaufverlauf zu Ende.

χρ τ + _ 43

Der Philosoph Thomas Nagel vermutet, dass der Glaube an einen Gott die Überzeugung des Menschen ausdrückt, die Welt wie wir sie wahrnehmen, sei verstehbar. Allerdings nicht für die Menschheit, für eine höhere Instanz jedoch schon. Diese sei uns dann unterm Strich sogar wohlgesonnen, negiere unseren Tod und vertröste uns, betreffend der irdisch begrenzten Vorläufigkeit. Denn anders sei unser Leben doch eigentlich jeder Sinnhaftigkeit beraubt. Mit der Gottesidee bekommt das Leben so den ersehnten Sinn. Ein Wissen über die Existenz Gottes ist gar nicht nötig. Allein der Glaube und die Vorstellung darüber reicht aus, um das absurde Leben akzeptieren und annehmen zu können.

Die Profiinterpreten und Vermittler einer Religion, die Theologen und Priester erinnern uns bei ihren Predigten und ihren uns angetrauten Diensten hin zu Gott und hin zur Wahrheit stets an diese Rollenverteilung: Hier der unwissende Mensch - dort die göttliche Allmacht und die absolute Gewissheit. So auch das Kommunikationsniveau: Dort die Schafe, hier der Hirte, dort die Menschenkinder, hier der Vater. Gottesdienste und Morgenandachten im Radio mit ihrer kindlichen Sprache versetzen einen augenblicklich in Kitasituationen der eigenen Vergangenheit, so wird man wie früher auf die Seite der bedürftigten Ohnmacht platziert.

Warum setzt sich ein mit Vernunft ausgestatteter Mensch solch einer, ja, Erniedrigung aus?  Eine lebenssinnstiftende Macht ist einerseits unermesslich attraktiv für eine sich beschränkt fühlende Kreatur. Die konkrete Botschaft ist mehr oder weniger egal. Als weitere Offerte gibt es noch die übermächtige Vaterfigur. Auch im reifen Menschenalter ist sie an- oder zumindest scheinanwesend.

Schließlich ist da der Ausgleich für das Minderwertigkeitsgefühl im Verhalten gegenüber den Co-Lebewesen. Minderwertigkeit wird mit dem Mittel der Selbstüberschätzung ausgeglichen. Über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg betrachtet, verstärken alle Religionen Widerwertigkeiten und zerstörerisches Handeln im menschlichen Miteinander. Es passt eben zusammen, einerseits die Frömmigkeit, andererseits Gefühle von Furcht, Neid, Hochmut, Starrsinn etc. als gewichtige Eigenschaften des Menschen. Gegebenheiten, die auch im säkularen Alltag immer wieder zu beobachten sind: Nach oben buckeln, nach unten treten.

P.S.: Dieser Beitrag wurde heute nach einer knapp vermiedenen Kollision morgens im Straßenverkehr auf dem städtischen Kirchplatz verfasst. Ein pferdestarkes Automobil rechtsabbiegend, ich meine sogar im Innern den Weihbischof an der Lenkradkanzel erkannt zu haben, hatte dem Mindermotorisierten gegenüber, klassisch, seine Ausweichpflicht (im Dänischen: vigepligt - das Wort für Vorfahrt gibt es dort nicht) links liegen gelassen und mich beinahe auf klerikale Art missioniert, also überrollt. Vielleicht schreibe ich zeitnah über einen deutschen Kraftfahrzeug-Führer, der sich in meiner Vorstellung allmorgendlich sein zu beschneidendes Gesichtshaar mit rechter Führhand und mit einer Braun-Apparatur auf Linie und ins Lot bringt.

χρ τ + _ 42

Albert Einstein (1879 – 1955), Jahrhundert-Genie, war auch laut eigener Beurteilung kein herausragender Mathematiker: „Mach‘ dir keine Sorgen wegen deiner Schwierigkeiten mit der Mathematik; ich kann dir versichern, dass meine noch größer sind“. Seine allergrößten Charaktereigenschaften und Begabungen waren seine grenzenlose Phantasie und seine unstillbare Neugierde über jede Fachrichtung hinaus. In dem sommerlichen Intermezzo, nun bereits dienstags in dritter Folge, eine ihm allein gehörende Zitatauflistung:

 

Versuche nicht, ein erfolgreicher, sondern ein wertvoller Mensch zu werden.

Es beelendet mich immer, wenn eine feine Intelligenz nicht mit einem guten Charakter gepaart ist.

Ich habe ein Alter erreicht, in dem ich dann, wenn mir jemand sagt, ich sollte Socken tragen, das nicht tun muss.

Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuchs, sie zu erwerben.

Wir können überhaupt nicht denken, ohne unsere fünf Sinne zu gebrauchen.

Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicherlich nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen können.

Gott stelle ich mir überhaupt nicht vor, sondern begnüge mich damit, die Struktur der Welt zu bewundern, soweit sie sich unserem schwachen Erkenntnisvermögen überhaupt offenbart.

Nationalismus ist eine Kinderkrankheit. Die Masern der menschlichen Rasse.

Mein politisches Ideal ist das demokratische. Jeder soll als Person respektiert und keiner vergöttert werden.

Die Phantasie ist wichtiger als das Wissen. Wissen ist beschränkt, Phantasie umspannt die Welt.

Ich sorge mich nie um die Zukunft. Sie kommt früh genug.

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.

Ein Leben, das vor allem auf die Erfüllung persönlicher Bedürfnisse ausgerichtet ist, führt früher oder später zu bitterer Enttäuschung.

Nur wer nicht sucht, ist vor Irrtum sicher.

Wenn du ein glückliches Leben führen willst, verbinde es mit einem Ziel, nicht aber mit Menschen oder Dingen.

Der wahre Wert eines Menschen ist in erster Linie dadurch bestimmt, in welchem Grad und in welchem Sinn er zur Befreiung vom Ich gelangt ist.

Mathematik ist die einzige perfekte Methode, sich selbst an der Nase herumzuführen.

Es gibt viele Wege zum Glück. Einer davon ist aufzuhören zu jammern.

Ich fürchte den Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit überholt. Die Welt wird dann eine Generation von Idioten sein.

Die einzigen wirklichen Feinde eines Menschen sind seine eigenen negativen Gedanken.

χρ τ + _ 41

Ethische Grundsätze sind für viele Menschen an religiöse Überzeugungen und Glaubenssätze gebunden. In einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft stellt sich die Frage, ob das ethisch Gebotene und Gerechte unabhängig von Glaubenssätzen überhaupt Geltung besitzt.

Der griechische Philosoph Platon 428/427 - 348/347 v. Chr. hat seine Philosophie in Dialogform verfasst. Es sind fiktive Gespräche, die meisten Gedanken sind auf seinen Lehrer Sokrates zurückzuführen, der selbst keine Schriften hinterließ.

In dem Dialog Euthyphron wird das Thema Ethik/ Religion diskutiert, zugespitzt in der Fragestellung: „Erwäge indessen folgendes: Wird das Gute, weil es gut ist, von den Göttern geliebt, oder ist es gut, weil es von ihnen geliebt wird?“

Ist etwas ethisch geboten, weil es die Religion vorschreibt, oder schreibt es die Religion vor, weil es von sich aus richtig ist?

Platon gibt dem religionsunabhängigen Richtigen den Vorrang. Dennoch bleibt das Spannungsverhältnis bestehen. Und es bleibt die entscheidende Frage nach der Instanz, die das Gute und Richtige bestimmt.

In autoritären Gesellschaften sind es die Machthaber, die vorschreiben was erlaubt ist und was nicht. In demokratischen Gesellschaften sind es hingegen die in langen historischen Prozessen gemeinsam entwickelten Handlungsnormen. Das macht es nebenbei bemerkt auch so schwierig, mal zügig einer Gesellschaft Demokratie „beizubringen“, denn es sind in der Regel zeitintensive Transformationsprozesse.

Um die Vorteile einer übernatürlichen Instanz zu erkennen, muss man nicht Angehöriger einer Religion sein: Die übernatürliche Instanz befreit nämlich von menschlich, allzu-menschlichen Bürden und Mühen, eine elegante Möglichkeit, sich Lebensverantwortung zu entziehen.

Sehr beliebt ist der Verweis auf das eigene, individuelle Gewissen, um dem Dilemma zu entfliehen. Dies kann dann unmittelbar zu liberalem Gedankengut führen. Stets bequem und mühelos gelingt eine Selbstbezeichnung und Selbstinszenierung als Liberaler in einer demokratischen Gesellschaft. Ursprünglich liberal sein heißt aber, frei in alle Richtungen zu denken, ja, auch frei zu handeln, doch nicht gegen die Freiheit anderer zu agieren.

Den Freiheitsbegriff lediglich für individuelle Interessen zu nutzen, gemeinschaftliche Interessen dagegen zu übersehen, kein „rechts und links“ im Alltag wahrzunehmen, ist keine Freiheitsausübung – es ist Machtausübung, basierend auf Einfluss, Manipulation und Geld. Und führt meist nicht zu himmelweiten freien unbeschwerten Seelenzuständen, sondern eher zu abgrundtiefen Emotionen voller Einsamkeit und Trübsinn.

χρ τ + _ 40

Aufgrund der Resonanz des Beitrags aus der Vorwoche ein Nachtrag weiterer Zitate:

 

Ein Diplomat ist ein Mensch, der zweimal denkt, bevor er nichts sagt. Edward Heath

Unser Wissen ist nicht vorhanden, wenn es nicht genutzt wird. Igor Strawinski

Die Ewigkeit dauert lange, besonders gegen Ende. Woody Allen

Wer nicht handelt, wird behandelt. Rainer Barzel

Jedes aufs Geld ausgerichtete Leben ist der Tod. Albert Camus

Beide schaden sich selbst, der zu viel verspricht, und der zu viel erwartet. Gotthold Ephraim Lessing

Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen. Seneca

Mein Gewissen ist rein. Ich benutze es nie. Stanislaw Jerzy Lec

Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte nicht wahr. Laotse

Die Menschen sehen nur das, was sie noch alles haben und bekommen könnten, schätzen aber nicht, was sie haben. Jimmy Hendrix

Eine Uhr, die still steht, geht auch 2x am Tag richtig. Tony Soprano

Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere recht haben könnte. Jürgen Habermas

Ich habe immer eine Sehnsucht nach dummen Menschen. Da ist einfach das Bedürfnis, sich von der eigenen Intelligenz zu erholen. Heiner Müller

Alles, was wir sehen, ist nur ein Schatten, geworfen von den Dingen, die wir nicht sehen. Plato

Der Mensch wird einmal verschwinden, wie im Meeresufer ein Gesicht im Sand. Michel Foucault

In seinen Träumen ist der Mensch ein Genie. Akira Kurosawa

Je besser jemand ist, desto bescheidener beträgt er sich gegen andere. Plotin

Man könnte sagen, dass man nicht sterben sollte, ohne Bücher gelesen zu haben. Aber in Wirklichkeit ist man dann noch nicht geboren. Jochen Schmidt

Jemand, der einen Bohrer kaufen will, will ja keinen Bohrer: Er will ein Loch in der Wand. aus: Selbstgespräche - TV Film

Das Glück ist wie eine Brille. Man sucht sie, bis man darauf tritt und dann ist es hinüber. Annette von Droste-Hülshoff

χρ τ + _ 39

Vor 21 Tagen am 23.Juni (χρ τ+_33) wurde hier das philosophische Konzept nach Immanuel Kant skizziert, wonach dem Menschen Grenzen der Erkenntnis gesetzt sind. Ein prinzipieller Einwand dagegen lautet: Eurozentristische Perspektive.

Wesensgleiche Konzepte gibt es jedoch auch in anderen Weltregionen und gehören dort zu den jeweils unterschiedlichen Kulturen. Auch in Indien, wo der Hinduismus vorherrscht:

Nach dem Religionsphilosophen Sarvepalli Radhakrishnan (u.a. indischer Staatspräsident von 1962 bis 1967) sollten Religion und Philosophie zusammen gedacht werden, sie seien begrifflich und inhaltlich nicht getrennt. Beide würden sich vielmehr gegenseitig bedingen und dienen einer Person als eine Angelegenheit, einer Herausforderung zur Selbstverwirklichung, losgelöst und ideologiefrei von jeglichen Glaubens- und Lehrsätzen.

Bei ihm ist der Mensch ein freier Geist, der festgelegte Definitionen und Begrenzungen als Hürden ansieht, diese nicht akzeptiert, kann und will. Die volle Realität sei dem Menschen verwehrt und gehe, ohne dabei zu resignieren über die Vorstellungskraft hinaus. Um der Wirklichkeit ansatz-!, zugleich optimalerweise! habhaft zu werden, greife der Mensch nach Symbolen, erfinde und entdecke zum Beispiel die Kunst sowie die Kultur. Einerseits sei das zwar nur eine Relativierung des Absoluten. Andererseits jedoch der Lebenssinn, das Potential, was in uns Menschen liegt: Endlich! begrenzt - Unendlich! vorhanden.

S.R.: „Immer! sollen wir bemüht sein, das zu werden, was wir als Möglichkeiten in uns begreifen – bleibe nicht unter deinen Möglichkeiten.“

Ähnlich, kurz & bündig Friedrich Nietzsche, europäischer Philosoph mit weitem Horizont, nicht engstirnig: Werde!, der du bist.

χρ τ + _ 38

Als Zitatensammler, hier zwanzig davon aus meiner Notizkladde:

 

Diese Gesellschaft hat einen Dachschaden, und es regnet in die Gehirne. Harald Martenstein

Sagt ihnen, ich wurde beim Zigarettenholen vom Pferd geschossen. Michael Gwisdek (Todesanzeige)

Ich versuche zu vermeiden, nach vorn oder zurückzublicken, und versuche immer nach oben zu schauen. Charlotte Brontë

Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit sind häufig Ausdruck eines überwertigen Ich-Gefühls. Dalai Lama

Die Regeln des Glücks: Tu etwas, liebe jemanden, hoffe auf etwas. Immanuel Kant

Reife bedeutet die Möglichkeit, sich selbst aus der Distanz wahrzunehmen. Lorraine Daston

Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist die Fähigkeit, zu beobachten, ohne zu urteilen. Jiddu Krishnamurti

Man ist unglücklich durch das, was man fühlt, und nicht durch das, was man ist. Silly Prudhomme

Du kannst dein Leben nicht verlängern und nicht verbreitern, aber du kannst es vertiefen. Gorch Fock

Der Wegweiser geht auch nicht den Weg, den er weist. Max Scheler

Am Sonntag küss‘ ich dich mündlich. Albert Einstein

Sie können sich nicht vorstellen, wieviel Lob ich vertrage. Bruno Kreisky

Das Problem dieser Welt ist, dass die intelligenten Menschen voller Selbstzweifel und die Dummen voller Selbstvertrauen sind. Charles Bukowski

Wer selbst nicht leuchtet, sollte wenigstens reflektieren können. Thilo Seibel

Ich hatte vor meiner Geburt keine Probleme mit der Nichtexistenz, ich werde sie auch nach meinem Tod nicht haben. Mark Twain

In Deutschland lernt man das Naserümpfen vor dem Naseputzen. Georg Christoph Lichtenberg

Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. Christian Fürchtegott Gellert

Ich bin eine Null – hinter dem Komma. Coco Chanel

Selbst die dunkelste Stunde hat nur 60 Minuten. Udo Lindenberg

Jetzt sind die guten und alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen. Peter Ustinov

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Es gibt notwendige Eigenschaften für Demokratien: Freie und faire Wahlen, ein unabhängiges Justizwesen, eine auf Gegengewicht beruhende Gewaltenteilung, vielfältige und freie Medien, um nur die wichtigsten zu nennen. Die hier angehängten Beiworte verdeutlichen, dass eine simple Schlagwortklassifizierung heute nicht mehr ausreicht. Auch autoritäre und diktatorische Staaten operieren mit den Begriffen Demokratie, Recht, Öffentlichkeit.

Nur, es ist ein fundamentaler Unterschied, Beispiel, ob eine Staatsspitze ihre Vor-Urteile den Gerichten zuweist, die sie jenen in Abhängigkeit zu endgültigen Urteilen zwingt. Oder ob ein ohn(e)mächtiger Bürger seine legitimen Ansprüche auf dem ihm offenstehenden Rechtsweg notfalls sogar gegen den Staat selbst und seinen Institutionen durchsetzen kann.

Hinter all dem steht ein Menschenbild von je unterschiedlichem Ausmaß. Auch hier lohnt, wie bei so viel Kulturgeschichtlichem der Blick zurück in die europäische Antike. Für den um 700 v. Chr. geborenen altgriechischen Dichter Hesiod ist Recht das Kennzeichen des Menschen: „Lass dir gesagt sein, höre nun auf das Recht und denke nicht an Gewalttat. Solche Ordnung setzte nämlich Zeus den Menschen, den Fischen, allem Getier und fliegenden Vögeln: dass Tiere zwar einander auffressen, weil bei ihnen kein Recht herrscht, während er den Menschen Recht verlieh, das höchste Gut unter allen“. Wer es zeitgemäßer mag, lese z.B. „Individuum und Menschheit – Eine Philosophie der Demokratie“ von Volker Gerhardt, soeben erschienen.

Dass Diktaturen und Unterdrückerstaaten, auch rechtsstaatszersetzende Parteien in freien Gesellschaften, das ursprüngliche Vokabular übernommen haben, dieses jedoch für ihre repressiven Zwecke sinnentleeren und pervertieren, beweist nur den lediglich fadenscheinig umstrittenen, in Wirklichkeit aber weltweiten Geltungsanspruch demokratischer Standards der ursprünglich beim Wort, dem lógos genommenen Bedeutungen.

χρ τ + _ 36

In meinem Bundesland haben die Sommerferien begonnen - längere Tage, kürzerer Blogbeitrag,  ;-)  .

Also Ferienzeit. Am vergangenen Samstag hat die Tour de France begonnen. Eine passende Kombination, um in arbeitsfreier Zeit auf ein interessantes Buch hinzuweisen.

„Die unsichtbare Meile“ von David Coventry ist 2015 erschienen und stand monatelang auf der neuseeländischen Bestsellerliste, ist in zahlreiche Sprachen übersetzt, so auch in deutsch, eine Taschenbuchausgabe ist erhältlich.

Der Roman beruht auf Tatsachen, erzählt die Geschichte von 5 Tour de France – Teilnehmern 1928 aus "Down Under" (3 Australiern, einem fiktiven und dem tatsächlich ersten Tour-Teilnehmer aus Neuseeland, Harry Watson). Amateuraußenseiter hauptsächlich aufgrund ihrer Herkunft bei der vielleicht schwierigsten alljährlich stattfindenden Sportveranstaltung (Höllentour) im Radsportparadies Frankreich.

Die sportliche Anstrengung, der sportliche Wettbewerb stand schon immer als Allegorie für das (Über)leben der Menschen im Allgemeinen, allein, miteinander und gegeneinander, sei es als Einzelkämpfer oder Teamplayer. Eine perfekte Urlaubslektüre für Ja zum Leben sagende Menschen.

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